Sicher hast du gedacht, dass ich schon im Urlaub war und dies der Grund war, warum du so lange nichts mehr von mir gehört hast. Aber nein! Weißt du, wie es ist, wenn die anderen im Urlaub sind? Dann hat man mehr als normal zu tun…und das war der Fall bei mir.
Aber jetzt bin ich dran - und morgen fliege ich nach Amerika. Dort feiern meine Eltern ihr 60. Hochzeitsjubiläum. Ja, das Diamantene! Das ist wirklich ein Grund zu feiern! Die ganze Familie wird zusammen kommen und dem Herrn danken, dass meine Eltern mit immer wachsender Liebe durchgehalten haben…in den guten und den schlechten Zeiten, in den Tiefen und Höhen des Lebens….
In den letzten Tagen hatte ich die Freude das Fest der Aufnahme Mariä in den Himmel (am 15.8.) zu feiern. Das ist ein besonderer Tag für mich, weil es mein Eintrittstag ist. An diesem Tag trat ich in unseren Orden - die Paulus-Schwestern - in Boston ein. An solche Jahrestage denkt man gerne zurück. Viele Erinnerungen kommen und ich bin voller Dankbarkeit.
Man sagt “Aller Anfang ist schwer” und das stimmt. Aber das Durchhalten kann auch schwer sein! Vor zehn Jahren als meine Eltern ihr goldenes Hochzeitsjubiläum feierten, hatte ich persönlich eine besonders schwierige Zeit in meiner Berufung. Ich war im Urlaub mit meiner Familie, um das 50. Hochzeitsjubiläum zu feiern, aber innerlich war ich mit meiner eigenen Lebenswahl in diesem Moment nicht mehr so voll begeistert. Sicher kommen solche Phasen in jedem Lebensweg. Eines Abend während des Urlaubs sagte mein Vater mir: “Meinst du, dass ich jetzt weggehen kann?” Ich hatte nie so was von ihm erwartet. Ohne Zweifel antwortete ich ihm, “Du wirst nie weggehen. Damit bin ich sicher.” Dann sagte er weiter: “Es gibt immer Schwierigkeiten. Aber es kommt ein Punkt, an dem man innerlich entscheidet: ich gehe nicht mehr zurück. Ich bleibe, komme was kommen wolle.” Mehr hat er nicht gesagt. Doch als ich in den nächsten Tagen über unser Familienleben nachdachte, da wusste ich, dass er selber diese Entscheidung irgendwann getroffen hat und sie nicht mehr zurückgenommen hat.
Ich dachte auch über mein Ordensleben nach und wusste innerlich, dass Gott mich hierher geführt hat und mir immer wieder so viel geschenkt hat. Warum soll ich es mir dann in den Momenten der Schwierigkeiten anders überlegen? Ich traf die gleiche Entscheidung wie mein Vater (und wie natürlich meine Mutter!) Danach spürte ich wieder Ruhe in mir. Als wir in den nächsten Tagen ihr Jubiläum feierten, fühlte ich, dass meine Berufung durch ihrer Treue bestärkt wurde.
Seitdem findet der Zweifel kein Raum mehr in mir, auch wenn Schwierigkeiten immer wieder da sind. Doch der Friede und die Freude bleiben. Und jetzt nach 23 Jahre als Ordensschwester kann ich Gott nur danken: nicht nur dass Er mich berufen hat, sondern dass Er mir täglich die Kraft gibt mit einem dankbaren JA Ihm zu antworten und diese Berufung zu leben. Psalm 84 drückt es für mich am besten aus:
Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr! Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott… Wohl denen, die wohnen in deinem Hause, die dich allezeit loben. Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir. Ziehen sie durch das trostlose Tal, wird es für sie zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; dann schauen sie Gott… Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere… Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Er schenkt Gnade und Herrlichkeit… Herr der Heerscharen, wohl dem, der dir vertraut!
Nach dem Urlaub melde ich mich wieder!
Kommentieren »