Anbetungsstunde:
Begegnung mit Jesus

Es gibt viele Weisen und Gelegenheiten, Gott zu begegnen. Hier soll eine Weise biblischen Betens vorgestellt werden, die sich von den Worten Jesu leiten lässt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Mit diesen Worten spricht Jesus den Menschen in seiner ganzen Wirklichkeit an: seinen Verstand, seinen Willen, sein Herz ….
Diese Stunde des Gebets und der Begegnung mit Christus ist wie eine Stunde in der Schule des Meisters. Eine dreifache Betrachtung: Jesus Weg, Wahrheit und Leben.
Es ist zu empfehlen, diese Anbetung vor dem Allerheiligsten zu halten; denn hier, im Tabernakel, verwirklicht sich in vollkommener Weise die Verheißung Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage“ (Mt 28,20). Von hier aus will Jesus erleuchten, lehren, erwärmen, trösten, aufrichten, ermutigen (Don Alberione).
Vor dem Gebet ist es gut sich zu fragen, wo ich gerade stehe, was mich beschäftigt. Dazu können die Worte von Don Alberione helfen:
„Der Besuch bei Jesus im heiligsten Sakrament ist eine Begegnung der Seele und unseres ganzen Sein mit Jesus:
- - das Geschöpf, das seinem Schöpfer begegnet,
- - der Jünger bei seinem Meister
- - der Kranke beim Arzt der Seele,
- - der Arme, der Zuflucht beim Reichen nimmt,
- - der Dürstende, der an der Quelle trinkt,
- - der Schwache, der sich dem Allmächtigen vorstellt,
- - der Versuchte, der eine sichere Zuflucht sucht,
- - der Blinde, der das Licht ersehnt,
- - der Freund, der zu seinem besten Freund geht,
- - das verlorene Schaf, das vom Guten Hirten gesucht wird,
- - das verwirrte Herz, das den Weg findet,
- - der Narr, der die Weisheit findet,
- - die Braut, die den Bräutigam der Seele findet,
- - das Nichts, das Alles findet,
- - der Leidende, der den Tröster findet,
- - der Suchende, der die Richtung für sein Leben findet,
- - die Hirten bei der Krippe, Maria Magdalena beim Gastmahl des Simon, Nikodemus, der in der Nacht zu Jesus geht.“
(aus dem Gebetbuch der Paulus-Familie)
Die Gebetsstunde vollzieht sich in drei mehr oder weniger gleich langen Abschnitten:
1. Betrachte JESUS als die WAHRHEIT, indem du auf sein Wort hörst: Licht für unseren Geist.
„Ich bin die Wahrheit. Wer meine Gebote hat und sie hält, liebt mich; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14,21)
Lies langsam einen Abschnitt aus der Bibel (am besten aus dem Neuen Testament). Öffne die Heilige Schrift aufs Geradewohl, oder wähle das Tagesevangelium. Lies nicht viel. Lies dafür langsam und gründlich, hin und wieder das gleiche noch mal, um die belebende Botschaft aufzunehmen, die das Wort für uns enthält.
Betrachte Jesus ganz gelöst. Lass dich von seiner Person, seinen Eigenschaften, seiner Art zu fühlen, mit anderen umzugehen, zu beten, zu reden, zu schweigen, ansprechen, herausfordern und begeistern.
2. Betrachte JESUS, als den WEG: Stärkung für unseren Willen
„Ich bin der Weg. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
„Dein Wort ist eine Leuchte für meine Schritte, Herr, ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119)
Breite vor Jesus, dem guten Meister, dein Leben aus - mit seinen Möglichkeiten, Erfolgen, Mängeln, Problemen, Wünschen….
Bitte ihn, dass er dir hilft, dich und deinen Tag mit offenen Augen und Ohren und wachem Herzen wahrnehmen zu können. Achte darauf, was dich bewegt und berührt. Gottes liebevoller Blick erinnert dich daran, selbst mit Liebe (ohne Wertung und Urteil) zurück zu blicken, wie du heute mit anderen, mit Gott, mit dir selbst umgegangen bist.
Blicke hin, wo du Ermutigung, Trost, Hoffnung verspürt hast. Blicke auch da hin, wo du Misstrauen, Angst, Entmutigung gespürt hast.
Vor allem aber: HÖRE.
3. Betrachte JESUS, als das LEBEN unseres Lebens. Sprich in einer ganz persönlichen Weise mit ihm und bitte ihn für alle Menschen.
„Ich bin das Leben. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)
Mache dein Herz weit, lausche und folge dem Geist Jesu, der „für uns eintritt mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ (Rm 8): Anbetung, Dank, Klage, Sühne, Flehen und Fürbitte für alle. Er ist es, der dich zum Einsatz für andere drängt.
„Das wahre Gebet, erkennt man daran, dass es zu den alltäglichen Aufgaben drängt.“ Don Alberione
(Raster)
Ein ausführliches Raster kann die Leitung einer gemeinsamen Anbetungsstunde erleichtern. Die einzelnen Punkte können in ihrer Reihenfolge vertauscht oder weggelassen werden. Es erwies sich jedoch als sinnvoll, die hervorgehobenen Teile beizubehalten.
1. Ein Lied zu Beginn – Anbetung und/oder Lob soll zum Ausdruck kommen
2. Einige Minuten stiller Anbetung
3. Einführung – Schwerpunkt oder Thema der Stunde bekanntgeben
4. Ein Gebet, das das Thema beinhaltet
5. Die Anliegen für die Stunde vortragen (oder spontan vortragen lassen)
Betrachte Jesus als die Wahrheit: Licht für unseren Geist
6. Lesung der Heiligen Schrift
7. Auslegung der Lesung und/oder persönliche Besinnung in Stille
8. Antwort auf die Lesung: Psalm, Gebet oder Lied
Betrachte Jesus als den Weg: Stärkung für unseren Willen
9. Dank für empfangene Gnaden – meistens frei und spontan
10. Gemeinsamer Dank: Psalm, Lied oder Gebet (der Gründer empfiehlt das Magnificat)
11. Einleitung zur Gewissenserforschung
12. Gewissenserforschung in Stille
13. Schuldbekenntnis: Psalm, Reuegebet oder Lied
14. Ausdruck des Dankes und Vertrauens: Psalm, Gebet oder Lied
Betrachte Jesus als das Leben unseres Lebens
15. Stille Anbetung
16. Fürbitte für die Welt, die Kirche, für alle
17. Vater unser oder ein Teil des Rosenkranzes
18. Ein Dank- oder Loblied
Warum die Anbetungsstunde überhaupt?
Einladung Jesu: „Venite ad me omnes...“
Bereits in jungen Jahren hatte unser Gründer, der spätere Don Alberione, ein besonderes eucharistisches Erlebnis. In der Silvesternacht 1899, blieb er nach der Mitternachtsmesse noch im Gebet vor dem ausgesetzten Allerheiligsten.
Geplagt von eigenen Zweifeln und angerührt von der Glaubenskrise der Menschen, blickte er hoffnungsvoll auf das neue Jahrhundert. Da geschah es: „Ein besonderes Licht kam von der Hostie, ein größeres Verstehen der Einladung Jesu: ´Venite ad me omnes...`(Mt 11,28 - ´Kommt alle zu mir`)... Er hatte ein genügend klares Gefühl der eigenen Nichtigkeit und fühlte zu gleichen Zeit: ´Vobiscum sum... usque ad consummationem saeculi`(Mt 28,20 – ´ich bin bei euch... bis zum Ende der Welt`) in der Eucharistie, und dass bei Jesus in der Hostie Licht, Nahrung, Tröstung und Sieg über das Böse zu finden war.“ (AD 15.16)
Dieses Gebet hinterließ in ihm bleibende Spuren und prägte von nun an sein Denken. „Tief in ihm blieb der Gedanke, dass es notwendig ist, die ganze menschliche Persönlichkeit im Licht Gottes, zu entwickeln (Geist, Herz und Willen für das eigene Heil und für ein fruchtbares Apostolat).“ (AD 22)
Aus dieser Erfahrung und Einsicht entstand unter der Leitung von Don Alberione im Laufe der Jahre die paulinische Anbetungsstunde; der Ort, an dem der ganze Mensch, dem ganzen Chrisus begegnet.
Bevor es jedoch soweit war, durchlebte Don Alberione abermals eine tiefe Krise. „In einem Traum, den er danach hatte, schien es ihm, dass er eine Antwort erhielt. Jesus, der Meister, sagte tatsächlich: ´Habt keine Angst, ich bin bei euch. Von hier aus will ich Licht geben. Haltet euer Herz zur Umkehr bereit.`... Das Licht, in das der Göttliche Meister gehüllt war, die Kraft seiner Stimme ...und das durch die ausgestreckte Hand verstärkte Hinweisen auf den Tabernakel wurden so verstanden: eine Einladung, alles von Ihm zu empfangen, dem Göttlichen Meister, der im Tabernakel wohnt; dass das sein Wille ist“ (AD 152.157)
Tatsächlich findet sich dieser Satz in jeder Kapelle der Paulus-Familie auf der ganzen Welt: „Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch. Von hier will ich mein Licht aussenden. Haltet euer Herz zur Umkehr bereit.“



